in Mundart vorlesenNicht wenige Eltern sind verunsichert, wenn es darum geht, ihren Kindern in Mundart vorzulesen. Schließlich ist Hochdeutsch für die spätere Karriere nicht unwichtig.

Hier gilt: Alte Vorurteile sind längst überholt – heute weiß man, wie wichtig Mundart ist.

Daher sollte der Dialekt nicht nur im Alltag gesprochen, sondern auch vorgelesen werden. Denn durch die meisten Medien erhalten unsere Kinder früh genug Kontakt zum Hochdeutschen.

Mundart fördert die Sprachkompetenz

Kinder, die mit Mundart aufwachsen, tun sich leichter im Erlernen von Fremdsprachen. Denn die Kinder wissen bereits, dass ein Begriff verschiedene Wörter haben kann.

Forscher an der Universität Basel untersuchten außerdem Testpersonen, die drei Sprachen sprechen. Durch Messung der Hirnaktivität konnten sie nachweisen, dass das Erlernen der Fremdsprache für Dialektkinder leichter ist.

Doch wer hätte gedacht, dass Mundart auch das Hochdeutsche fördert?

Der Sprachforscher und Mundart-Experte Anthony Rowley von der Ludwig-Maximilians-Universität München hat herausgefunden, dass durch den Dialekt die Strukturen der Hochsprache deutlicher werden. Das fördere das Sprachgefühl und das Sprachverständnis.

Dazu wird der  Wortschatz erweitert. Die Feinheiten des Schweizerdeutschen – gerade auch wenn es um Emotionen geht – drücken oft viel mehr aus, als dies im Hochdeutschen möglich ist.

Mundart fördert die Kreativität

Wem Sprachkompetenz nicht genügt, der sollte an die Kreativität seiner Kinder denken. Durch bildhafte Redensarten, die typische für den Dialekt sind, fördern sie laut Rowley Kreativität und abstraktes Denken.

Bessere Aufmerksamkeit und Gedächtnisleistung 

Der Wechsel zwischen Dialekt und Hochsprache fördert laut Studien gemäß NZZ die Aufmerksamkeit und verbessert das Gedächtnis. Offenbar hängt auch eine schnellere Erholung nach einem Schlaganfall oder sogar ein späteres Einsetzen von Demenz damit zusammen.

Wie lese ich im Dialekt vor?

Globi und Kasperli, Schellenursli und Märli auf Schweizerdeutsch – es gibt viele Geschichten, die es direkt auf Schweizerdeutsch gibt. Andere hingegen nicht. Hier stehen Eltern oft vor der Schwierigkeit, simultan auf Schweizerdeutsch zu übersetzen.

Das ist schwieriger als gedacht. Nicht nur müssen einzelne Wörter übersetzt werden (Summervogel statt Schmetterling, Rüebli statt Karotte etc.), auch ist der Satzbau oft komplett anders.

Das fordert Konzentration und Aufmerksamkeit.

Einfacher ist es daher, auf Bücher oder Kinderbuchapps zurückzugreifen, die bereits übersetzt sind.

Übrigens: Auch in Deutschland gibt es einen Trend zu Dialekten. Wobei Kinderbücher auf bairisch oder hessisch extrem schwierig zu finden sind.